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Startseite : Worte aus Helfta : 2009

2009


M. Assumpta Schenkl, OCist., Kloster „St. Marien zu Helfta“


für:
RADIO VATIKAN

MEDITATION ZUM EVANGELIUM DES 3. OSTERSONNTAGS
IM JAHRESKREIS B – 25. April 2009
Lukas 24, 35 – 48

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Bei der Betrachtung dieses Textes möchte ich beginnen mit dem letzten Satz, weil er mir der Schlüssel zu all dem zu sein scheint, was uns hier berichtet wird. Er lautet: „Man wird allen Völkern, angefangen von Jerusalem, verkünden: Sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür!“ Dieser Ruf zur Umkehr begegnet uns schon an vielen Stellen des Alten Testamentes, so z.B. Jesaja 31,6: „Kehrt um, ihr Kinder Israels, zu dem. von dem ihr so sehr abgewichen seid!“, oder Jeremia 3,22: „Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam.“ Das ganze HOHE LIED ist letztlich ein Ruf Gottes an den Menschen: „Komm, komm doch vom Libanon, so komm doch!“

Und vom Neuen Testament könnte man sagen: Ist es nicht letztlich ein einziger Ruf Gottes an die Menschen, umzukehren von ihren verkehrten Wegen, hinzukommen zu Ihm? So ist Jesu erstes Wort bei Markus: „Kehrt um, kehrt um von euren verkehrten Wegen, kommt her zu mir!“ Und das letzte Wort vor der Himmelfahrt wiederum: „Predigt die Umkehr!“ Und in den letzten Stunden seines Lebens spricht Jesus sein Verlangen nach der Umkehr des Menschen, hin zur Vereinigung mit Ihm, mit unüberbietbarer Dringlichkeit aus: „Desiderio desideravi!“ – „mit Sehnsucht sehnte ich mich ... dieses Abendmahl mit euch zu essen.“ Aber gemeint ist sicher nicht nur dieses eine Abendmahl, gemeint sind sicher die unzähligen, immer wieder erneuerten und vertieften Vereinigungen Gottes mit den Menschen in jeder heiligen Kommunion.

In dieselbe Richtung weist auch die häufige Wiederholung des Wortes „bleibt“ in den Abschiedsreden: „Bleibt in meiner Liebe!“, „Bleibt in mir!“, „Bleibt mit mir im Vater!“ Achtmal kommt dieses „bleibt“ in wenigen Versen vor.

Ja, aber wieso eigentlich diese Ewigkeiten lange ungestüme Sehnsucht Gottes nach uns? Sehnsucht hat doch immer nur ein Bedürftiger. Denken wir nur an uns: Wonach sehnen wir uns denn? Nach einem Menschen, bei dem wir uns wohl und geborgen fühlen, der uns versteht; nach einer Sache, die uns nützlich und gewinnbringend erscheint; nach innerem Frieden vielleicht, nach Freiheit, nach ein wenig Ruhe und Alleinsein-Können? Aber Gott ruht doch wunderbar in sich; trägt die Fülle allen Seins in sich; bedarf nichts; ist in keiner Hinsicht ein Bedürftiger wie wir. Wieso kann Er sich dann sehnen, so sehr sehnen, ohne Ende? Ist diese Sehnsucht nicht unerklärlich? Er hat doch alles, alles .... und Sehnsucht ist doch auf etwas gerichtet, dessen man bedarf ! –

Nein, Gottes Sehnsucht ist nicht hingerichtet auf seine eigene Befriedigung. Nein – sie ist hingerichtet auf unser Glück! Er weiß, dass wir das volle Glück, die Seligkeit des Himmels nur finden können in der Vereinigung mit IHM, denn darauf hin sind wir angelegt. Und danach, nach diesem unseren Glück, unserer höchsten Vollendung, unserer Teilnahme an Seinem göttlichen Sein, verzehrt er sich in dieser unfassbaren Sehnsucht !

Und wenn wir nun zum heutigen Evangeliumstext zurückkehren und ihn von Anfang an durchgehen, so können wir erkennen, wie sich diese Sehnsucht Gottes in fast rührender Weise an die Herzen der Menschen herantastet. Zuerst wird uns berichtet von den beiden Emmaus-Jüngern, denen Jesus sich auf ihrem Weg angeschlossen hatte. Ich musste unwillkürlich an einen Text des ISAAC VON STELLA, eines frühen Zisterziensers, denken, in dem er schreibt: „Gott in seiner Liebe läuft gleichsam den Menschen nach und ruft sie flehentlich zurück. Er schließt sie in die Arme und führt sie in seinen Weinkeller“ (frei übersetzt). So ging auch Jesus diesen beiden nach und führte sie gleichsam in seinen Weinkeller, indem Er ihnen mehr und mehr seine Liebe erschloss, bis sie Ihn schließlich erkannten. –

Und dann, während die beiden noch berichten, steht JESUS plötzlich in ihrer Mitte! Er begrüßt sie mit seinem Friedensgruß. Doch trotzdem ist ihre erste Reaktion nicht Freude, sondern Angst und Schrecken. Sie können nicht glauben, dass Er es wirklich ist und meinen, einen Geist zu sehen. Voll Geduld und Nachsicht redet Jesus ihnen zu. Warum ist solche Bestürzung, sind solche Zweifel in euren Herzen? Da seine Worte ihre Angst offensichtlich immer noch nicht überwinden, zeigt Er ihnen seine durchbohrten Hände und Füße, ja fordert sie auf, Ihn zu berühren, sein Fleisch, seine Knochen, wie sie ein Geist doch niemals haben kann.

Aber Seine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Sie staunen zwar und sind voller Freude, aber dennoch – sie können immer noch nicht so ganz glauben. So geht Er, beinahe als hätte Er Kinder vor sich, noch einen Schritt weiter und bittet sie, Ihm etwas zu essen zu geben, was sie offensichtlich auch sofort bereitwillig tun, denn es heißt ja weiter im Text: „Sie gaben Ihm ein Stück gebratenen Fisch, Er nahm es und aß es vor ihren Augen.“

Eigentlich unfassbar, wie weit Gott sich herablässt, um die Menschen zu überzeugen und zu gewinnen! Denn wir haben es an dieser Stelle ja nicht mehr mit dem Menschen Jesus zu tun, sondern mit dem Auferstandenen, dem Vergöttlichten, der sich gleichsam nochmals in den menschlichen Bereich herablässt, um so den Menschen zu Augen zu öffnen und sie für sich – nein: für ihr wahres Glück zu gewinnen.

Und nun erst, nachdem sie Ihn essen gesehen hatten, scheinen die Jünger endlich zu glauben: „Ja, ER ist es wirklich – ES IST DER HERR!“ Und nun erst kann Er zu ihnen sprechen und ihnen die Worte erläutern, die Er ihnen vor Seinem Leiden und Sterben gesagt hatte und die damals meistens abgeschlossen wurden mit dem Satz: Sie verstanden nicht, was diese Worte bedeuten sollten. Mit viel Geduld nimmt Jesus sie nun gleichsam an der Hand und führt sie zurück zu Mose, den Propheten und den Psalmen, und fügt hinzu: „Ich habe es euch doch immer schon vorher gesagt, als ich noch bei euch war: ,Dies alles muss beim Kommen des Messias in Erfüllung gehen.’“ Es heißt weiter, Er öffnete ihnen die Augen für das, was in der Schrift über Ihn geschrieben steht. Und man sieht geradezu, wie ihnen im wahrsten Sinn des Wortes „die Augen aufgehen“ und sie anfangen zu begreifen, was Jesus ihnen längst gesagt hatte, was ihnen damals aber völlig unverständlich blieb: „Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen.“

Und dann, zum Abschluss dieser wunderbaren Begegnung des Auferstandenen mit Seinen Jüngern: der große Verkündigungsauftrag: „In meinem, des Messias Namen, soll allen Völkern, angefangen von Jerusalem, verkündet werden: Sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.“ Und warum wünscht Jesus dies so sehr? Doch nur, weil ER, der unendlich liebende Gott, es gleichsam nicht ertragen kann, dass Menschen nicht hinfinden zu dem, wozu sie geschaffen sind: Zu der unvorstellbaren Seligkeit der Liebesvereinigung mit Gott.

Und nun, nachdem Er Seinen Jüngern für dies alles die Augen geöffnet hat, der dringende Auftrag: „IHR SEID MEINE ZEUGEN DAFÜR!“ Und dieses letzte Wort des heutigen Evangeliums-Abschnittes ist nicht nur den Jüngern damals gesagt. Es gilt jedem Christen. Es gilt einem jeden von uns: Du – Du – Du sollst mein Zeuge sein; und nicht nur da und dort mit einem Wort, sondern immer, mit deinem ganzen Leben !


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(diese Ansprache von Frau Äbtissin wurde bereits im vorhinein aufgenommen,
denn am 24. April war ihr Todestag)


Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken
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