Auf dieser Seite finden Sie Worte, Briefe, Texte, die für Sie geschrieben,
an Sie gerichtet sind.
Es sind Gedanken, die sich mit der Spiritualität der Mystikerinnen von Helfta
und mit deren Bedeutung für uns heutige Menschen befassen.
Auf dieser Seite möchten wir Ihnen ein wenig vermitteln von dem was uns
im Lauf des Jahreskreises bewegt und trägt.
Mögen diese Texte Sie anregen und "bewegen".
Anregungen aus dem "Gesandten der Göttlichen Liebe" zum Palmsonntag
"Am heiligen Palmsonntag … sagte Gertrud zum Herrn: ‚Lehre mich, o Liebreichster, wie ich dir, dem Herrn, meinem Gottes, der um meines Heiles willen zum Leiden kommt, heute würdig und wohlgefällig entgegengehen kann.’ Der Herr antwortete: ‚Bereite mir ein Lasttier, auf das ich mich setze, eine Schar, die mir freudig entgegenkommt, eine Schar, die mich dienend begleitet, und eine Schar, die mir lobpreisend folgt. Ein Lasttier bereitest du mir, indem du mit Zerknirschung des Herzens bekennst, dass du es oftmals unterlassen hast, der Vernunft zu folgen, und gleich einem Lasttiere nicht geachtet hast, was meine Güte ohne Unterlass zu deinem Heile wirkte. Durch diese Nachlässigkeit hast du meine heitere Ruhe verloren, da ich zuweilen, anstatt mich geistig in dir zu erfreuen, meiner Gerechtigkeit gemäß dich durch innere oder äußere Leiden reinigen musste und so genötigt war, gleichsam in dir zu leiden. Denn meine göttliche Liebe zwingt mich, in jeder Widerwärtigkeit innerlich mit dir zu leiden. Wenn du auf diese Weise dich mir gleich einem Lasttiere zubereitet hast, gewährst du mir einen hinlänglich bequemen Sitz. – Zweitens sollst du mir eine Schar vorführen, die mir mit Freuden entgegenkommt, d.h. mich mit der Liebe aller Menschen aufnimmt in der Vereinigung mit jener Liebe, in welcher ich, der Schöpfer und Herr aller, für das Heil der ganzen Welt heute nach Jerusalem gekommen bin … Drittens stelle mir eine Schar vor, die lobpreisend nachfolgt; bekenne, du habest niemals, wie du solltest, die Beispiele meines heiligsten Lebenswandels nachgeahmt, und bringe mir eine so glühend eifrigen Willen dar, dass du, wenn du könntest, mit allen Kräften alle Menschen bewegen würdest, den Beispielen meines heiligsten Lebenswandels und Leidens zu meiner Verherrlichung auf die beste Weise zu folgen. Bitte auch, dass es dir gegeben werde, durch wahre Demut, Geduld und Liebe … mit glühendem Verlangen mich nachzuahmen. – Viertens zeige mir eine Schar, die mich dienend begleitet; … Wenn jemand … im Namen aller dieser vierfachen Weise sich mir vorstellt, zu dem werde ich sicher so huldvoll kommen, dass er die Frucht des ewigen Heiles erlangt." (IV. Buch, aus dem 23. Kapitel)
Gertrud schreibt von der Erfahrung in einer Christnacht:
Und sieht da! meine Seele erkannte, daß ein zartes, gleichsam zur Stunde geborenes Kindlein wie einen Augenblick lang ihr gezeigt und dargereicht und wie in einem Teile des Herzen aufgenommen wurde. Traun! in diesem Kindlein barg sich das Geschenk der höchsten Vollkommenheit und die wahrhaft beste aller Gaben. Kaum fühlte meine Seele es in sich, da schien sie plötzlich ganz umgewandelt zu sein in dieselbe Farbe mit ihm, wenn man Farbe nennen kann, was durch kein sichtbares Bild sich bezeichnen läßt. Hierdurch empfing sie ein unaussprechliches Verständnis jener süßströmenden Worte: "Gott wird alles in allem sein", da sie nämlich fühlte, wie sie den Geliebten, der ihr eingesenkt worden, umschließe, und der huldvollsten Gegenwart des holdseligsten Bräutigams sich erfreute. Darum trank sie mit unersättlicher Begierde aus dem von Gott ihr dargereichten Honigbecher folgende Worte: "Wie ich das Gleichbild des Wesens Gottes des Vaters in der Gottheit bin, so wirst du ein Bild meines Wesens seitens der Menschheit sein, indem du in deine Seele die Ergüsse meiner Gottheit aufnimmst wie die Luft die Strahlen des Sonnenlichtes, damit du, von diesem einigenden Strahle innerlich durchdrungen, zur vertrauteren Vereinigung mit mir befähigt werdest." O hochedler Balsam der Gottheit, allseits Bäche der Liebe ausströmend, grünend und blüchend in Ewigkeit, aber am Ende der Zeiten überallhin ausgegossen! O wahrhaft unüberwindliche Stärke der Rechten des Allerhöchsten, daß ein so irdenes und durch eigene Schuld zur Unehre weggeworfenes Gefäß eine so kostbare Flüssigkeit bleibend in sich enthielt! O wahrhaft zuverlässigstes Zeugnis für die Fülle der göttlichen Liebe, daß sie von mir, die ich auf Abwegen der Sünden so weit verirrt war, nicht zurückwich, sondern die Süßigkeit jener beseligenden Vereinigung nach dem Maße meiner geringen Fassungskraft mir einflößte!
(Gesandter der göttlicher Liebe, II Buch, aus Kapitel 6)