Aus den Schriften der hl. Gertrud

Auf dieser Seite finden Sie kurze, ausgewählte Texte - in diesem Jahr mit einem Schwerpunkt auf den Schriften der heiligen Gertrud



Texte, die zum Nachdenken anregen, Texte, die richtungsweisend sein können.

 

 

Zum Fest der heiligen Gertrud

 

... Und dies hast du Herr in der Adventszeit vor jenem Epiphaniefeste begonnen, an welchem ich das fünfundzwanzigste Jahr vollendete, und zwar mit einer gewissen Verwirrung, wodurch mein Herz dergestalt bewegt ward, daß alle jugendliche Ausgelassenheit mir zuwider wurde. Solcherweise ward mein Herz dir einigermaßen zubereitet. Nach begonnenem sechsundzwanzigsten Jahre sodann, am Montage vor dem Feste der Reinigung, in der Dämmerung jenes Tages nach der Komplet, hast du, wahres Licht, das in die Finsternis leuchtet, mit der Nacht der erwähnten Verwirrung auch den Tag der jugendlichen Torheit beschlossen, der durch die Finsternis geistiger Unwissenheit verdunkelt war. Zugleich begannst du von da an in wunderbarer und geheimnisvoller Weise an mir zu handeln, damit du fürderhin wie im eigenen Hause der Freund mit dem Freunde, ja vielmehr der Bräutigam mit der Braut, so in meinem Herzen mit meiner Seele beständig deine Freude haben könntest. Zu diesem beseligenden Zwecke hast du zu verschiedenen Stunden und in mannigfacher Weise mich heimgesucht, so daß ich seither niemals auch nur einen Augenblick dich meinem Herzen entfremdet gefühlt habe, dich vielmehr immer bei mir gegenwärtig wußte, so oft ich mich zu meinem Innern hinkehrte, ausgenommen einmal elf Tage. Da ich nun mit Worten nicht auszudrücken vermag, durch wie große, zahlreiche und aller Annahme würdige Güter du deine heilbringende Gegenwart mir noch teurer gemacht hast, so gib du, o Spender der Gaben, daß ich fürder ein würdiges Opfer des Lobes im Geiste der Demut dir darbringe, besonders dafür, daß du eine so liebliche Wohnung in meinem Herzen dir bereitet hast, was ich weder vom Tempel Salomons noch vom Gastmahle des Ahasverus gelesen oder gehört habe. Denn dies schien mit viel geringer zu sein als jene Wonne, welche du selbst durch deine Gnade in meinem Innren dir bereitet hast und wodurch du es gestattest, daß ich Unwürdigste ebenso mit dir verkehre wie eine Königin mit dem Könige. ...

 

(Gesandter der göttlichen Liebe, II. Buch, Kapitel 22.)

 

    * Zum Frieden

Das Kloster St. Marien zu Helfta ist wieder errichtet worden. Viele nennen es "das Wunder von Helfta": Nach 450 Jahren leben wieder Cistercienserinnen in dem Kloster, in dem Mystikerinnen wie Gertrud von Helfta, Mechthild von Hackeborn und Mechthild von Magdeburg gelebt und gebetet haben.